Alles auf Schiene

Freie Bahn der Bahn

Frühe Tourismusentwicklungen wie in den Kurorten im Gasteiner Tal und den Sommerfrische-Gegenden im Salzburger Seengebiet sind direkt auf Bahnverbindungen aus den Ballungsräumen zurückzuführen. 1860 erhielt die Stadt Salzburg ihren ersten Bahnhof – von nun an brummende Station eines fortschrittlichen europäischen Netzwerks der Mobilität.

Erste Projektierungen zum Bau der Bahnlinien von Salzburg nach Wien und nach München datieren aus den Jahren 1838 bis 1842. Bayern und Österreich traten in Kooperation. Verhandelt wurde mit zwei Partnern – der Kaiserin-Elisabeth- Westbahn-Gesellschaft und der Königlich Bayrischen Staatsbahn. Nach einigem Hin und Her in der Standortdebatte und Verhandlungen mit Militär, Polizei, Landes- und Gemeinderegierung wurde 1859 für die jetzige Lage des Bahnhofs entschieden.

Karl Freiherr von Schwarz, einer der größten Eisenbahnbauunternehmer der Monarchie und nebenbei von großen Verdiensten für das Salzburger Gründerzeit-Stadtbild, übernahm die Organisation der Bahnhofserrichtung. Er beauftragte den Architekten Rudolf Bayer mit der Planung. Der neue Bahnhof – entscheidender wirtschaftlicher Impuls und Anschluss an die neue Welt des Reisens, des Transports und der Technik – nahm den Betrieb auf, als sowohl der Bauabschnitt von Linz nach Salzburg der Kaiserin-Elisabeth-Westbahn als auch die weiterführende Strecke nach München fertiggestellt wurden. Von diesem ersten Bahnhof sind heute noch der Bahnsteig 1 und das elegante Hauptgebäude mit den beiden Seitentrakten erhalten.

Schon 1906/07 erfolgte unter Ladislaus Friedrich von Diószeghy, Mitarbeiter der k. k. Staatsbahnen, ein großzügiger Umbau, der den Bahnhof dem vermehrten Verkehrsaufkommen anpassen sollte. Denn mit der Eröffnung der Giselabahn 1875 und der bald folgenden Errichtung der Tauernbahn wurde der Salzburger Bahnhof zu einem Verkehrsknoten mit entsprechenden Passagierzahlen.

Die Giselabahn, benannt nach einer der Töchter von Kaiser Franz Joseph I. und Kaiserin Elisabeth, heute offiziell „Salzburg-Tiroler-Bahn“, nannte und nennt man den Streckenabschnitt von Salzburg über Bischofshofen und Zell am See durch das Tiroler Brixental nach Wörgl. Mit der Fertigstellung dieses Teilstücks war die lückenlose Verbindung zwischen den Metropolen Paris, Zürich, Innsbruck, Salzburg, Wien, Budapest bis Istanbul gewährleistet. Sie ist übrigens die einzige Ost-West-Eisenbahnverkehrsstrecke, die ausschließlich auf österreichischem Boden verläuft.

 

Der neue Bahnhof: Visitenkarte für Salzburg

1905 wurde die Nordrampe der Tauernbahn zwischen Schwarzach-St. Veit, welches an der Salzburg-Tiroler-Bahn liegt, und Bad Gastein in Betrieb genommen, 1909 war die Tauernbahn inklusive Tauernschleuse bis nach Villach fertiggestellt. Mit dem Bau dieser Trasse als innovativer Nord-Süd-Achse sollte die Anbindung von Triest an den Norden des Habsburger-Reiches erreicht und das Monopol der damals privaten Südbahn gebrochen werden. Der Bau begann im Oktober 1901 unter Leitung des Ingenieurs Carl Wurmb. Ihm zu Ehren wurde 1913 in Salzburg ein Denkmal erstellt. Im September 1905 war die Strecke Schwarzach-St. Veit bis Badgastein fertiggestellt. Der durchgehende Betrieb auf dieser Strecke mit der Fortsetzung über die Karawankenbahn nach Triest erfolgte im Juli 1909.

Die Pionierleistungen des Salzburger Eisenbahnbaus führten zu einem riesigen Gesamtnetzwerk. 440 Reisezüge und 300 Güterzüge fahren innerhalb von 24 Stunden durch den Bahnhof. Weitere Modernisierungen des wichtigsten Verkehrsknotenpunkts im Land waren erforderlich. Seit 2014 steht der Bevölkerung und den Passagieren nach sechs Jahren Bauarbeiten das teils neue, teils generalsanierte Bahnhofsgebäude zur Verfügung – es gilt als internationaler Meilenstein und wichtiger Impuls für die Stadtentwicklung. Reisekomfort und Verkehrsabwicklung sind deutlich verbessert – und das in einem prachtvoll restaurierten historischen Ambiente in geglückter Verschmelzung mit spannender zeitgenössischer Architektur und hochtechnisierten Lösungen.

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