Bretter, die die Welt bedeuten
(c) Archiv der Salzburger Festspiele / Foto Karl Ellinger

Bretter, die die Welt bedeuten

Salzburger Dramaturgie – die Stadt als Szene

Seit über 90 Jahren wird Salzburg mit den Festspielen identifiziert, das internationale Kultur-Publikum drängt zu den Aufführungen.

Schwer vorstellbar, dass es für Initiatoren und Befürworter der ersten Stunde gar nicht immer gut lief: Im Anfangsstadium 1920 musste die Festspielgemeinde versprechen, keinerlei Werbung außerhalb Salzburgs zu machen. Die Landesregierung hielt die damals bestehenden Reisebeschränkungen aufrecht, denn man fürchtete um das instabile Währungssystem und kämpfte mit Lebensmittelknappheit.

Heute kaum zu glauben: Fremdenverkehr war entschieden unerwünscht.

Die Geburtsstunde der Salzburger Festspiele wird mit dem 22. August 1920 angegeben, als Hugo von Hofmannsthals Memento mori Jedermann in der Regie von Max Reinhardt erstmals auf dem Domplatz aufgeführt wurde.

Hugo von Hofmannsthal
Die Schönheit dieser Stadt steht unantastbar da, doch zur Zeit der Festspiele wird sie Erlebnis.
Hugo von Hofmannsthal

In Anlehnung an die Ende des 19. Jahrhunderts formulierte Idee, in Salzburg regelmäßig Mozart-Festspiele zu veranstalten, wurde 1917 auf Betreiben des für das Mozarteum tätigen Juristen Friedrich Gehmacher und des Redakteurs Heinrich Damisch in Wien der Verein Salzburger Festspielhaus-Gemeinde gegründet, um die Mittel für den Bau eines Festspielhauses aufzubringen. Die Idee, in Salzburg Festspiele einzurichten, war inzwischen auch von anderen Kreisen aufgegriffen worden. Der Dichter Hermann Bahr setzte sich dafür ein. Richard Strauss und Franz Schalk von der Wiener Staatsoper schlossen sich an wie auch der Bühnenbildner Alfred Roller. Max Reinhardt, der am damaligen Salzburger Stadttheater seine Karriere als Schauspieler begonnen hatte, unterbreitete die Denkschrift zur Errichtung eines Festspielhauses in Hellbrunn. Hugo von Hofmannsthal publizierte 1919 einen Entwurf für ein Programm der Salzburger Festspiele. So erhielt die Festspiel-Idee, hervorgegangen aus einer Interessengemeinschaft der kulturell engagierten Familien – wahrscheinlich Salzburgs erfolgreichste und nachhaltigste Bürgerinitiative – ihren intellektuellen Überbau durch einflussreiche und zugkräftige Wiener Protagonisten.

Die „Häuser“

Keimzelle des heutigen Festspielbezirks war die 1924 adaptierte Winterreitschule. Gleich nach der ersten Saison begann Clemens Holzmeister ein Jahr später mit jenen Baumaßnahmen, durch die er die Felsenreitschule und einen Teil der Hofstallungen zum ersten Festspielhaus – dem heutigen Haus für Mozart – verband. Die Felsenreitschule erhielt ihre Dachkonstruktion, denn bis dahin bedeckte sie nur eine Zeltplane, regnete es, übertönte das Trommeln der Tropfen Stimmen und Musik ...

Im Foyer brachte Anton Faistauer monumentale Fresken auf. Sie schildern in opulenter Farbigkeit neben der Baugeschichte des Hauses Szenen aus Mysterienspiel, Drama und Lustspiel. 1938 sollten diese fantasievollen Darstellungen als „entartete Kunst“ der Vernichtung anheimfallen, konnten jedoch von dem Maler Alberto Susat so geschickt abgenommen werden, dass sie kaum litten und nach dem Krieg ihren Platz wieder einnahmen. Dem Landeshauptmann Josef Klaus gelang die Einbeziehung des alten Hofmarstalls in das ursprüngliche Festspielgelände. Die Salzburger Architekten Hans Hofmann und Erich Engels verliehen dem Saal die Gestalt, die er bis 2004 innehatte.

Max Reinhardt
Gott hat die Welt erschaffen – aber der Mensch hat sich eine zweite Welt erschaffen, die Kunst.
Max Reinhardt

Hier setzte die Geschichte des jahrzehntelang als Kleines Festspielhaus bezeichneten Bühne wieder ein, als Wilhelm Holzbauer, Schüler Holzmeisters, gemeinsam mit François Valentiny den Umbau zum Haus für Mozart vornahm. 2006, im großen Jubiläumsjahr zu Mozarts 250. Geburtstag, wurde es mit der Inszenierung von Le nozze di Figaro unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt glanzvoll eröffnet.

1956 bis 1960 hatte man die Idee für ein zweites Opern- und Konzerthaus umgesetzt: Das Große Festspielhaus wurde – wiederum nach Zeichnungen von Clemens Holzmeister – errichtet. 55.000 Kubikmeter Konglomerat-Gestein ließen die Baumeister aus der Mönchsbergwand sprengen, modernste Bühnentechnik wurde installiert. Das Gebäude bietet 2300 Personen Platz, in Form eines Amphitheaters bietet die Anordnung ausgezeichnete Akustik und jedem einzelnen Zuschauer gute Sicht auf die Bühne. Deren Maße sind beeindruckend: In der Gesamtbreite misst die Bühne 100 Meter, die Bühnenportalbreite beträgt 30 Meter.

 (c) Tourismus Salzburg GmbH
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Die Ausgestaltung nahmen renommierte Künstler vor – Oskar Kokoschka, Wolfgang Hutter, Karl Plattner, Rudolf Hoflehner, Kurt Fischer, Giselbert Hoke, Wander Bertoni, Slavi Soucek, Alfred Hrdlicka und Toni Schneider-Manzell schufen machtvolle Werke.

Musikalisch eröffnet wurde die neue Hauptspielstätte im Festspielsommer 1960 mit der Premiere einer neuen Opernproduktion – Der Rosenkavalier. Am Pult: Herbert von Karajan.

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