Weisses Gold und Kultur – prähistorisch bis zeitgenössisch
Zwei Abbildungen aus dem Fürstenzimmerbilderzyklus im Keltenmuseum Hallein

Weisses Gold und Kultur – prähistorisch bis zeitgenössisch

Hallein im Zeitenwandel

Durch geschickte Preispolitik der Erzbischöfe errang die Salinenstadt Hallein mit der Verarbeitung der Salz-Vorkommen am Dürrnberg eine Vormachtstellung im gesamten Ostalpenraum. Aus dem Salzhandel, der vorwiegend über den Transportweg Salzach erfolgte, lukrierten die Kirchenfürsten über Jahrhunderte mehr als die Hälfte ihrer gesamten Einkünfte. Heute assoziieren wir mit der ehemaligen Salz-Metropole Hallein ganz andere Werte.

Mit der Eingliederung Salzburgs in die Länder der Habsburgermonarchie nahm die über ein Jahrtausend währende ökonomische Sonderstellung Halleins – schon in prähistorischen Zeiten war die Siedlung am Dürrnberg durch den Salzabbau ein wirtschaftspolitisches Zentrum ersten Ranges gewesen – ein vorläufiges Ende. Die Habsburger waren mehr daran interessiert, die in ihrem Privatbesitz befindlichen Bergwerke im Salzkammergut zu fördern, das Bergwerk am Dürrnberg und die Saline in Hallein verloren damit ihr Monopol und mussten sich im Verbund mit dem österreichischen Salinenwesen erheblicher Konkurrenz stellen.

Gleichzeitig bedeutete dies aber auch die Möglichkeit, größere Absatzmärkte zu erschließen.

Das 19. Jahrhundert brachte den österreichischen Salinen den Anschluss an das Industriezeitalter. Interessantes Detail im Kontext: Die „Salinenkonvention“ von 1829, ein Vertrag zwischen Österreich und Bayern, beinhaltet die Übereinkunft, dass die Bayern Holz im Gebiet der sogenannten „Saalforste“ zwischen Leogang und Unken schlagen durften, um die Pfannen der Reichenhaller Sudhäuser zu beheizen. Im Gegenzug hatten die Dürrnberger Knappen das verbriefte Recht, tief unter Berg auch über die bayrische Grenze hinweg weiter zu schürfen – ein bipolares Abkommen, das seine Gültigkeit bis zum heutigen Tag nicht verloren hat.

Die innovative Rationalisierung der Salzwirtschaft wurde 1854 mit dem Bau einer leistungsfähigen Salinenanlage eingeleitet, indem man die Produktion aus der Altstadt Halleins, wo mehrere Sudpfannen lange Zeit hohe Brandgefahr bedeutet hatten, auf die nahe gelegene Pernerinsel verlagerte. Ihren Namen hat die Fluss-Insel übrigens nach dem Konstrukteur der Uferschutzbauten, Christoph Perner; er starb 1568.

Aufbruch – Abwanderung – Auftakt

Die Belieferung des Salinenbetriebes mit Holz stand lange im Mittelpunkt der forstpolitischen Maßnahmen des Erzstiftes Salzburg, da der Salzverkauf ja eine Hauptquelle des landesfürstlichen Einkommens darstellte. Die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durchsetzende Umstellung von Holz- auf Kohlefeuerung hatte zur Folge, dass viele Arbeitsplätze in der Holzbringung wegfielen. Der Halleiner „Griesrechen“, die größte Auffanganlage Europas für Triftholz aus den Gebirgsgauen, lag brach – bis der Standort sich als ideal für die Zellulose- und Papierherstellung erwies.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begann man zudem die bisher einseitige Ausrichtung der Region Hallein auf die Salzgewinnung zu erweitern und setzte auf die Nutzung der verfügbaren Ressourcen für Betriebe, die Güter auf Basis chemischer Grundstoffindustrie erzeugten. Der Großraum entwickelte sich von der Salinenstadt zum Industriestandort. Baustoffwerke und eine Zellulose- und Papierfabrik entstanden.

In der Salzerzeugung wurden Produktionsabläufe verändert, Arbeitskräfte wurden entlassen – vor allem Frauen, die als Verpackerinnen gearbeitet hatten, kamen in den neuen Betriebsansiedlungen wie etwa der 1869 gegründeten k. k. Tabak- und Zigarrenfabrik zum Zug.

Die endgültig letzte Stunde für den Salzabbau am Dürrnberg schlug im Jahr 1989, es folgten weitere Betriebsschließungen und Abwanderungen großer Unternehmen – bis hin zur Schließung der Papierfabrik Hallein 2009, die für die Region einen großen Verlust an Arbeitsplätzen bedeuten sollte.

Im Zuge der wirtschaftlichen Veränderungen besann sich das geschichtsträchtige Hallein jedoch auf seinen Wert als jahrtausendealte Kulturstätte. Die Salzwelten und die Ausgrabungen am Dürrnberg (freigelegt wurden 400 Gräber und imposante Siedlungsreste), die Darstellungen archäologischer Ergebnisse im rekonstruierten Kelten-Dorf Salina und die Exponate des Keltenmuseums ziehen alljährlich ein großes Publikum an.

Ebenso sehenswert ist die historische Altstadt an der Salzach, sie rühmt sich mehr als 300 denkmalgeschützter Gebäude, ein Kleinod mittelalterlicher Baukunst.

Auch die Salzburger Festspiele haben Halleins Flair entdeckt: In der kühl-grandiosen, denkmalgeschützten Architektur der ehemaligen Sudhalle Alte Saline auf der Pernerinsel  wurde eine Theaterspielstätte eingerichtet. Die Umgestaltung 1992 beanspruchte nur achtzig Tage Bauzeit; sechs Jahre später wurde nachgerüstet. Die Halle dient insbesondere für experimentelles Theater und Konzerte zeitgenössischer Musik, wobei sich die Aufführungs- und Publikumsflächen dem szenischen Konzept der jeweiligen Produktion anpassen lassen. Kultstatus!

Diese wechselvolle Geschichte Halleins steht u. a. im Mittelpunkt der Sonderschau „SalzHochburg Hallein“, die ab Anfang September 2016 im Keltenmuseum Hallein zu sehen sein wird.

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