Sinnbild für den Österreichischen Wiederaufbau
(c) Verbund Hydro Power

Sinnbild für den Österreichischen Wiederaufbau

Ein gigantisches Projekt – das Kraftwerk Kaprun

Der „Tauernbüffel“ – ein seltsames Fabelwesen? Falsch geraten, so nannte man Oberingenieur Rotter, der während achtjähriger Tätigkeit als Bauleiter der Nachkriegszeit die Anlage kein einziges Mal verlassen haben soll.

Lange Zeit hatte Kaprun eine unbedeutende Rolle als kleines bäuerliches Gemeinwesen im Schatten der Tauern und abseits wichtiger Durchzugs- und Handelswege geführt. Bis zum Spatenstich für das Kraftwerk. Die gewaltige Fusion von Natur und Technik zur zivilisatorisch unabdingbaren Stromerzeugung hat eine beeindruckende Geschichte der Entdeckungen und Erfindungen – aber auch traurige Hintergründe.

Die Talsperre gehört zu den leistungsstärksten Wasserkraftwerken Europas, seit 1999 ist es unternehmenstechnisch der Verbund AG eingegliedert. Die beiden Kraftwerke Hauptstufe und Oberstufe erbringen zusammen 350 Megawatt. Das unterirdische Pumpspeicherkraftwerk Limberg II hat diese Leistung seit 2011 mehr als verdoppelt auf 833 Megawatt. Diese Anlage generiert den Strom nicht nur über Turbinen: Erzeugt das Kraftwerk mehr Energie als gerade benötigt, verwendet sie die überschüssige Kraft, um Wasser zurück in einen höher gelegenen See zu pumpen – wo es nochmals genutzt werden kann.

In Planung ist bereits Limberg III, das ebenfalls unter der Erde in Betrieb gehen wird.

Ab etwa 1926 trieb Landeshauptmann Franz Rehrl in Zusammenhang mit seinen Plänen für die Großglockner Hochalpenstraße das Konzept eines riesigen Wasserkraftwerks im Tauerngebiet voran. Projektansätze wurden damals bei AEG in Berlin entworfen, wegen der schwierigen finanziellen Lage zu Beginn der Weltwirtschaftskrise aber bald auf Eis gelegt. 1938 nahmen die Nationalsozialisten den Gedanken als Prestigevorhaben auf, noch im selben Jahr begannen ihre Ingenieure mit Begehung und Vermessung.

Die Bauarbeiten entwickelten sich indes schleppend und in tragischer Szenerie. Tausende Kriegsgefangene und zivile Ausländer wurden während der Kriegsjahre zwangsverpflichtet. Obwohl unter dem Regime des Dritten Reichs kein einziges Fundament gelegt und hauptsächlich im Sommer gearbeitet wurde, gab es unter den für hochalpine Bedingungen unzureichend ausgerüsteten und schlecht ernährten Zwangsarbeitern zahlreiche Verletzte und Tote.

1944 floss der erste elektrische Strom aus der Hauptstufe Kaprun.

1947 wurde der Weiterbau des Großkraftwerks durch die Tauernkraft in Angriff genommen. Das aufgeblähte Konzept wurde geändert und verbessert und startete mit großzügigen finanziellen Mitteln durch: Die Kosten des Baus beliefen sich auf gut zwei Milliarden Schilling, davon übernahm der Marshall-Plan 1,4 Milliarden Schilling.

Als ein besonderes Phänomen der Nachkriegsjahre stellte sich der Gruppenidentität stiftende und öffentlichkeitswirksame Wert der alpinen Herausforderung für die Wiederaufbaudynamik der Zweiten Republik heraus.

1951 war der Bau der 120 Meter hohen Gewölbemauer Limberg beendet worden, damit konnte das Werk Kaprun-Hauptstufe zu arbeiten beginnen. Auf rund 2000 Höhenmetern befinden sich eingebettet in die imposanten Felsen die Speicherseen Mooserboden und Wasserfallboden; bis 1955 wurden die beiden Sperren des Speichers Margaritze, das Oberstufenkraftwerk sowie der zwölf Kilometer lange Möllüberleitungsstollen fertiggestellt, die Tauernkraftwerke wurden offiziell in Betrieb genommen.

 

 

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