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Das Salzburg Museum – lebendige Historie

„Er war nicht für sich allein sondern auch und noch weit mehr für sein Vaterland geboren.“

So ist es zu lesen in den Arkaden des Sebastiansfriedhofs, am Grabstein von Vincenz Maria Süß (1802–1868). Die Vielseitigkeit seiner Expertise erstaunt – Schullehrer, Amtsschreiber, Steuerkontrolleur, städtischer Leihhausverwalter, Schriftsteller – und natürlich: Gründer des Salzburg Museums.

Die „Schicksale und Ereignisse, Sitten und Gebräuche“ seiner Region vor dem Zahn der Zeit und vor dem Vergessen zu bewahren und wieder an den Tag zu rufen, war Motivation und Impetus des gebildeten Herrn Süß. Seiner Befürchtung, dass nach Auflösung des Reichsfürstentums durch den wiederholten Besitzerwechsel des Landes und damit verbundene Plünderung unwiederbringlicher Kulturgüter ideelle Werte verloren gehen würden, wollte er Taten entgegensetzen. Nach der Eingliederung in die österreichischen Länder 1816 war Salzburg unversehens zu einer unbedeutenden Kreissiedlung des Landes ob der Enns geworden. Es drohte die Abwanderung bedeutender Kunstschätze nach Linz, das als Hauptstadt akzeptiert werden musste.

1833 versammelte sich eine Gruppe von Lokalpatrioten – einmal mehr führte in der Geschichte Salzburgs zivilcouragierte Privatinitiative zum Ziel – um den Initiator Süß. Ein Jahr darauf erreichte die Aktion der Bürger gegen den kulturpolitischen Ausverkauf die offizielle Gründung des Salzburger Museums: ein wahrer Triumph bisher unbekannten bürgerlichen Selbstbewusstseins und Stolzes, ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein gesellschaftspolitisches Phänomen in Europa.

Vorerst arbeitete die Institution unter ihrem ersten Direktor Süß im Status einer Privatsammlung. Von Anfang an aber war deutlich gemacht, dass sie im Dienste des ganzen Landes stehen wollte. Konserviert wurde alles, was in irgendeiner Weise mit Salzburg zu tun hatte, Münzen, Kunstgewerbe, Literatur, Instrumente, auch Naturkundliches, bedeutsam dabei wiederum die kulturelle Identifikation der Bürger. Nicht mehr die Aura der Herrschenden, sondern Leben und Wirkungskreis der Salzburger Frauen und Männer wird zur übergeordneten Thematik.

1835 eröffnete Kreishauptmann Montecuccoli Schauräume für das Publikum.

Um die Gemeinde hinsichtlich der Finanzierung mehr in die Pflicht zu nehmen, erklärt Süß das Museum 1845 als „unveräußerliches und untrennbares Eigenthum der Stadt Salzburg“, die offizielle Übernahme erfolgt jedoch erst 1849, das Museum befand sich zu dieser Zeit im städtischen Arsenal am Gries, wo es mehrere räumliche Erweiterungen erfahren sollte.

Nach der Erhebung Salzburgs zum Kronland im Jahre 1850 trat der Gemeindevorstand an die in Salzburg lebende Kaiserin Caroline Auguste, Witwe nach Kaiser Franz I., mit dem Gesuch heran, die Patronanz für das Museum zu übernehmen. Die Kaiserin sagte zu, das Museum erhielt den namentlichen Zusatz „Carolino Augusteum“. 

Dem ersten Leiter folgten Generationen von Direktoren und Museumsfachmännern, die das Haus prägten und allmählich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen in die Gegenwart führten.

Nach schweren Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg begannen schon Mitte der 1950er Jahre langwierige Standortdiskussionen, ab 1967 „bewohnte“ das SMCA das gesamte Bürgerspital, 1997 wurde das Residenz-Neugebäude als künftiger Standort festgelegt. Bemerkenswerte spezialisierte „Dependancen“ erwuchsen aus der Sammlung, darunter das Domgrabungsmuseum, das Spielzeugmuseum, das Panorama-Museum und das Festungsmuseum.

 

Prähistorie, Mittelalter, Barockzeit, Makart, Moderne – Mythos Salzburg

Am 30. Mai 2007 wurde das neue Salzburg Museum offiziell eröffnet. Auf 3000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird die Kunst- und Kulturgeschichte von Land und Stadt Salzburg vorgestellt. Die Bestände zeigen sich ungemein reichhaltig, die Vermittlung informativ und unterhaltsam. Die Dauerausstellung Mythos Salzburg schildert den Aufstieg der Stadt zur barocken Metropole, den Aufbau des urbanen Gefüges nach Ende des Erzbistums 1800 bis hin zur Struktur der heutigen Tourismus-Destination. Themenausstellungen spiegeln einstige Errungenschaften, Lebensbilder, Arbeitswelten und gesellschaftliche Situationen. Die ästhetische Präsentation der Objekte und multimedialen Installationen hat ihren perfekten Rahmen in der sensibel und prachtvoll restaurierten Neuen Residenz am Mozartplatz gefunden. Für das gelungene Konzept wurde das Salzburg Museum mit dem Europäischen Museumspreis 2009 und dem Österreichischen Museumspreis 2007 ausgezeichnet.

Von 30. April bis 30. Oktober 2016 erhalten Besucherinnen und Besucher bei der Landesausstellung unter dem Motto „Bischof. Kaiser. Jedermann. 200 Jahre Salzburg bei Österreich“ einen Einblick in die wechselvolle Geschichte Salzburgs – vom reichen Fürsterzbistum über Kriege und wechselnde Herrschaftsverhältnisse bis zum heutigen Tag. Die Ausstellung „Am Schauplatz“ inszeniert eine historische Rückschau, „Schatzkammer Salzburg“ präsentiert Kunst Salzburger Provenienz und „Erzähl mir Salzburg“ wird die mannigfaltige kulturgeschichtliche Entwicklung darstellen.

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