21.05

bis

09.07

Anna Jermolaewa
(c) Albert Zawada

Anna Jermolaewa

Ausstellung im Kunsthaus Nexus Saalfelden

 

Die in St. Petersburg gebürtige, in Wien lebende Künstlerin Anna Jermolaewa wird in der Kunsthalle Nexus eine multimediale Installation realisieren, eine Auseinandersetzung mit Identität, Heimat, Wertvorstellungen sowie über Aspekte des (künstlerischen) Scheiterns am Beispiel des großen Filmregisseurs Sergei Michailowitsch Eisenstein.

Jermolaewa beschäftigt sich in ihrer künstlerischen Arbeit grundsätzlich mit der Untersuchung politisch-sozialer wie auch ökonomischer Strukturen, wobei ihre eigene Identität/Biografie – als Mitbegründerin einer Oppositonspartei musste sie 1989 Hals über Kopf aus der Heimat fliehen – immer eine wichtige Rolle spielt. Nicht nur mit ihren Arbeiten, sondern auch im persönlichen politischen Engagement im Westen sowie in Russland, das sie immer wieder für Recherchen und künstlerische Aktionen besucht, tritt sie für Menschenrechte, Freiheit in der Kunst bzw. gegen Fremdkontrolle, Machtausübung und Ungleichheit ein. Immer steht in Jermolaewas hintergründigironischen, subtil-humorvollen und metaphernreichen Arbeiten die Existenz des Menschen im MitteIpunkt, dessen Ängste, Sehnsüchte, sein Ausgeliefertsein und Scheitern. Sie erzählt Geschichten des alltäglichen heutigen Lebens und beschäftigt sich auch mit der Historie.

Eine Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart geschieht auch in der geplanten Installation für die Kunsthalle Nexus, in der sie sich mit Person und Künstlerdasein von Eisenstein, speziell mit seiner Schaffensperiode in Los Angeles, beschäftigt. Eisenstein war nach der Realisierung seiner Hauptfilme „Panzerkreuzer Potemkin“ und „Oktober“ 1930 von Paramount nach Hollywood eingeladen worden. Bald schon aber zeichnete sich ab, dass Eisensteins große Filmpläne – unter anderem ein Film über den US-amerikanischen Schriftsteller Theodore Dreiser – innerhalb des restriktiven Studiosystems in Amerika nicht zu realisieren waren. Eisenstein wurde der Vertrag gekündigt und er musste Los Angeles verlassen. Ab nun begann sein künstlerischer Niedergang. Er ging nach Mexiko, um die Geschichte des Landes zu verfilmen (Que Viva Mexico). Als er jedoch sowohl Drehzeit als auch das veranschlagte Budget überzog, sperrte der Geldgeber die Konten und verwehrte Eisenstein jeglichen Zugang zum bereits gedrehten Material. Ohne das Material gesehen zu haben, kehrte Eisenstein nach Moskau zurück. Auch in der UdSSR konnte er danach keine Projekte mehr realisieren und fiel in die Ungnade Stalins gefallen. Verschiedene seiner Drehbuchentwürfe wurden abgelehnt, so dass er sich zeitweilig darauf beschränkte, Regiekurse an der Moskauer Filmhochschule zu geben.

Das Schicksal dieser Künstlerpersönlichkeit und speziell dessen amerikanische Zeit interessiert Jermolaewa in Bezug auf die beiden konträren Welt- und Wertvorstellungen, die aufeinanderprallen, aber auch aus der Perspektive des Scheiterns und wie Eisenstein damit umgeht (er hat einige Notizen über diese Zeit verfasst). Sie interessiert es, Los Angeles durch die Brille Eisensteins zu sehen und damit für die eigene künstlerische Arbeit zu profitieren. Dies inkludiert Recherchearbeiten vor Ort und mit Menschen – mit dem Ziel, eine umfassende Installation aus Zeichnungen, Videos und Fotografien zu schaffen.


Kurzbiografie Anna Jermolaewa. www.jermolaewa.com

*1970 in St. Petersburg, Russland, lebt in Wien. 1998 Diplom an der Universität Wien (Fakultät für Kunstgeschichte); 2002 Diplom an der Akademie der bildenden Künste, Wien (Malerei, Graphik & Neue Medien). Einzelausstellungen (Auswahl): 2015 The Function Room, London. Zacheta National Gallery of Art, Warschau, Polen. 2013 Kerstin Engholm Galerie, Wien. 2012 Kunsthalle Krems. Camera Austria, Graz. Salzburger Kunstverein. 2011 Arbeiterkammer Wien. Institute of Contemporary Art, Sofia. 2009 Kunstverein Friedrichshafen. 2008 XL Gallery Moscow. 2006 Galerie Mezzanin, Wien. 2004 Museum moderner Kunst, Passau. 2002 Magazin 4, Bregenz. Blickle Stiftung. 2000 Institute of Visual Arts. Zahlreiche Gruppenausstellungen (z.B.: ZKM Karlsruhe; National Centre for Contemporary Arts, Moskau; Herzliya Museum of Contemporary Art, Tel Aviv; Mumok, Wien; Kiasma’s Collection, Helsinki; Sprengel Museum, Hannover; Frankfurter Kunstverein, Stedelijk Museum Amsterdam; Venedig Biennale)

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