30.09

bis

23.10

Fuder
(c) Schloss Goldegg

Fuder

ein Projekt, das im öffentlichen Raum, rund um das Schloss Goldegg, seinen Ausgang nimmt und im Ausstellungsraum des Schlosses, im Hofstall, sein Ende findet

Fuder leitet sich von Fuhre oder Fahrt ab und ist ein altes, nicht mehr gebräuchliches Raummaß. Ein Fuder war die „Fuhre" (Ladung), die ein zweispänniger Wagen laden konnte.

Der Künstler Markus Scherer (*1963), aufgewachsen in St. Veit, einer Nachbargemeinde von Goldegg, dreht die Zeit zurück. Eine zentrale Fragestellung seines Projektes ist unser heutiger Umgang mit öffentlichen Grünflächen und deren Pflege: darf eine Wiese noch Wiese sein oder ist es allgemeiner Konsens, Grünflächen als Rasenflächen zu sehen und sie daher auch „zurecht zu stutzen“, bevor sie zu jenem Lebensraum werden, für den der Terminus „Blumenwiese” angebracht wäre?


Diese Fragestellung berührt auch die kulturhistorische Entwicklung, die der Umgang und die Bearbeitung landwirtschaftlicher Flächen in den letzten zwei Jahrhunderten durchlaufen hat und ohne den Einsatz von Maschinen nicht denkbar wäre. Der mitteleuropäische Rasen ist letztendlich ein künstliches Produkt, basierend auf dem Einsatz des Rasenmähers, der um 1830 in England erfunden wurde.
Ästhetisch interessant ist: welches Bild ergibt sich, wenn auf die heute üblichen technischen Möglichkeiten (Rasenmäher, Trimmer, Laubbläser ...) verzichtet wird und durch den Griff zur „altmodischen” Sense aber auch das Gras rund ums Schloss wachsen darf? Erscheint das Schloss in einem anderen Ambiente, werden, wie in alten Zeiten, Schmetterlinge und andere Tiere den Raum (die Wiese) zurückerobern?

Die mit „Fuder“ betitelte Arbeit besteht aus zwei Teilen: Nicht landwirtschaftlich genutzte Gemeindeflächen rund um das Schloss von Goldegg werden vom Künstler mit der Hand gemäht. Blumen, die auf diesen Flächen wachsen, werden gezeichnet und fotografiert, Sachkundige werden herangezogen, um diese Blumen exakt zu bestimmen: letztendlich wird der Künstler zum ästhetischen Forscher.
Die Zeichnungen und Infos zu den Blumen und Pflanzen werden im vorderen Ausstellungsraum gehängt, in den hinteren sollte das Heu eingebracht werden – dem Namen des Ausstellungsraumes entsprechend, der aufgrund seiner historischen Funktion als Hofstall bezeichnet wird. Von dort kann es, wer immer will, holen und als Futter verwenden.

Bäuerliche und künstlerische Arbeit schöpfen aus der gleichen Fuder ihren Wert.

Zum Künstler:
Markus Scherer (*1963) thematisiert in seinen Arbeiten die Bedingungen künstlerischer Produktion, die Rolle des Künstlers und die Frage der Autorenschaft, indem er Präsentations- und Reproduktionsmuster aufzeigt und verändert. Wo liegt die Grenze zwischen „künstlerischer“ und „nicht-künstlerischer“ Arbeit? Was passiert, wenn die Rolle des Autors weitergegeben wird? (Doris Rothauer)

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