06.

Dezember

2016

Salzburg 20.16

Denkanstöße für die Zukunft

650 Plakate mit prägnanten Ideen, Wünschen und Fragen laden derzeit in der Stadt Salzburg dazu ein, sich Gedanken über die Zukunft zu machen. Entstanden sind diese Utopien im Rahmen von Salzburg 20.16 am Christian-Doppler-Gymnasium. 23 Klassen aller Stufen lieferten rund 2.000 Einreichungen, 30 davon machen als Essenz dessen nun die Gedanken einer meist ungehörten Gesellschaftsschicht auf Plakaten sichtbar.


„Uns geht es darum, Kindern und Jugendlichen Gehör zu verschaffen. Denn bei Diskussionen über die Zukunft kommen alle möglichen Experten zu Wort, nur nicht jene, die es am meisten betrifft“, sagt Richard Ruhm, Lehrer am Christian-Doppler-Gymnasium und Initiator des Projekts. Diese Idee kam sofort gut an: Salzburg 20.16 machte die Aktion mit dem Utopien-Förderprogramm möglich und die Außenwerbungsprofis von  Progress Salzburg sorgten für breite Aufmerksamkeit mit insgesamt 650 Plakaten. Im Gymnasium erklärten sich Dutzende Lehrkräfte bereit, sich mit ihren Klassen an der Aktion zu beteiligen.

Ohne Scheuklappen in die Zukunft blicken

Nicht weniger als 2.000 Einreichungen beweisen, dass die Kinder und Jugendlichen eine solche Chance unbedingt nutzen wollten. „Solche Projekte sind das Salz in der Suppe, es passt sehr gut zu unserem Zugang als AHS, den Fokus nicht nur aufs Geldverdienen zu richten, sondern auf Ideen – also ohne Scheuklappen in die Zukunft zu blicken“, so Direktorin Claudia Dörrich. Ihr persönliches Lieblingsplakat ist „Man müsste endlich verstehen, dass man nicht auf die Unterschiede sondern auf die Gemeinsamkeiten achten muss.“ 

Erwachsene sollen sich mit jungen Gedanken beschäftigen

Die Schülerinnen und Schüler sind stolz, dass ihre Ideen nun in der Stadt sichtbar sind, auch wenn die Sprüche streng anonym veröffentlicht werden: „Wir haben auch gute Ideen, mit den Plakaten bringen wir die Erwachsenen dazu, sich damit zu beschäftigen“, sagt Philip Messner, ein Viertklässler, der seine Einreichung dem Thema Wirtschaft gewidmet hat. Lehrer Richard Ruhm hält die Einreichungen für einen Blick in die Zukunft: „Es hat sich etwa herauskristallisiert, dass Benzin und Diesel bei den späteren Autos unserer Schüler kaum mehr ein Rolle spielen werden, die Sorge um die Umwelt ist einfach zu tief verankert.“

Utopien weisen den Weg

Weitere Schwerpunkte unter den Einreichungen waren Fairness zwischen Mann und Frau oder Homo- und Heterosexuellen sowie die Ablehnung von Krieg und Gewalt. Exemplarisch dafür steht etwa der Spruch: „Wenn niemand Gewalt will, warum gibt es sie dann?“ Richard Ruhm hält einen solch arglosen Blick auf die Welt für wichtig, genau deswegen wollte er den Kindern und Jugendlichen Gehör schenken: „Eine Utopie ist natürlich nicht verwirklichbar, aber sie funktioniert wie ein Leuchtturm – sie weist uns den Weg. 

Information, nicht Emotion

Die 30 veröffentlichten Utopien sollen Denkanstöße und Diskussionsstoff liefern, um Passanten dazu zu bringen, sich auf grundlegende Wertvorstellungen zu besinnen. Dabei sollen Inhalte im Mittelpunkt stehen. Daher wurden die Plakate bewusst reduziert gestaltet, mit schwarzer Schrift auf weißem Grund. „Wir unterstützen kreative Aktivitäten von Schulen und Jugendlichen besonders gerne, die Sichtbarkeit im öffentlichen Raum ist Anerkennung für Schule, Lehrkräfte und Jugendliche“, sagt Fred Kendlbacher von Progress Salzburg. Auch Gerhard Spitz von Salzburg 20.16 ist überzeugt von der Aktion: „Genau solche Ideen wollten wir mit unserer Utopie-Schiene fördern,  denn ‚zu schön um wahr zu sein‘ sollte grundsätzlich gar nichts sein.“

31.

Oktober

2016

Salzburg 20.16

Interview mit Gulliver

Seit Anfang Juli reist Gulliver auf seiner Theaterreise durch Salzburg. Dank Reinhold Tritscher, dem künstlerischen Leiter des Theaters ecce und dem Bühnenbildner Alois Ellmauer ist der große Fremde bei uns gestrandet. Nun ist es höchste Zeit, um von dem neugierigen und aufsehenerregenden Riesen einen kleinen Reisebericht einzufordern:

 

Salzburg 20.16: Wie ist es Dir ergangen? Wie war es, in einem fremden Land auf die Füße zu kommen?

Gulliver: Zum größten Teil wurde ich überaus freundlich und neugierig empfangen. In einzelnen Fällen war die Aufnahme reserviert, aber auch euphorisch!

Salzburg 20.16: Wo hat es Dir besonders gut gefallen und wo überhaupt nicht?

Gulliver: Sehr schön war das Integrationsfest in Tamsweg, der Besuch auf der Seebühne Seeham, oder der autofreie Tag in Obertrum, auch das Cafe Dienstag der Lebenshilfe mit ihrem Jubiläum, der Besuch in der Knappenstube in Leogang und das Jazz Festival Saalfelden waren Stationen, die ich sehr stark in Erinnerung habe. Der Besuch im Oberpinzgau beim Kunstigel mit seinem fantastischen Programm fällt mir noch ein. Diese Liste könnte ich jetzt noch lange fortsetzen.

Gar nicht gefallen hat mir der autofreie Tag in Maxglan, hier wurde ich grundlos vertrieben – habe aber nach dem Motto „Der Klügere gibt nach“ keinen weiteren Streit mit dem  Veranstalter, den security Mitarbeitern oder den vom Veranstalter gerufenen etwas ratlosen 4 Polizisten gesucht.

Salzburg 20.16: Was hat Dich auf Deiner bisherigen Reise am meisten verwundert?

Gulliver: Dass in diesem wunderschönen, friedlichen Land bei Volksfesten so kriegerische Lieder gesungen werden, obwohl weit und breit kein Feind in Sicht ist.  

Salzburg 20.16: Worüber konntest Du Dich ganz besonders  freuen?

Gulliver: Über die herzliche Aufnahme in breiten Bevölkerungsschichten – zum Beispiel den spontanen Applaus beim Fest der Volkskulturen.

Salzburg 20.16: Welche Begegnung ist Dir in bleibender Erinnerung geblieben?

Gulliver: Meine erste Begegnung mit 2 kleinen Kindern, die staunend, furchtlos und neugierig zu mir hochgeschaut haben. Das Foto davon ist auch überall auf den Plakaten für die Theateraufführungen zu sehen. Aber auch die Eröffnung beim Fest der Volkskulturen, wo ich als „Lungauer Samsung“ begrüßt wurde, bringt mich noch zum Schmunzeln.

Salzburg 20.16: Wen hast Du besonders ins Herz schließen können?

Gulliver: Meine Aufpasser, den Bühnenbildner Alois, den Bühnentechniker Gerd und die Kostümbildnerin Monika. Sie haben sich so rührend um mich gekümmert. Sogar beim feierabendlichen Grillen durfte ich bei Ihnen sitzen.

Salzburg 20.16: Aufgrund Deiner Größe hattest Du ja teilweise Passier-Probleme und musstest hier und da ein paar Umwege nehmen, um an Dein Etappenziel zu gelangen.  Manchmal konntest Du auch nur ums Eck schauen. Welche nachhaltigen Eindrücke hast Du aus Deiner besonderen Perspektive gewonnen?

Gulliver: Ob etwas groß oder klein ist, ist nur eine Frage der Bezugsgröße. Wenn man das einmal verstanden hat, dann werden viele wichtige Dinge unwichtig und viele unwichtigen groß.

Salzburg 20.16: Du warst ja auch in Liliput. Konnten Dir die Erfahrungen aus dieser Reise, die Du  im 18. Jahrhundert gemacht hast, bei Deiner Tour durch das Salzburg des 21. Jahrhundert behilflich sein?  

Gulliver: Ich habe sehr viele Ähnlichkeiten gefunden. Die Ängste, Eitelkeiten und Laster der Menschen ändern sich nicht im Lauf der Generationen.

Salzburg 20.16: Was wirst Du über die Salzburger erzählen, wenn Du sie Deinen Freunden in Liliput beschreiben willst?

Gulliver: Dass sie ein größtenteils sehr gastfreundliches, liebenswertes Volk sind, das aber auch nicht gefeit ist vor den „Verderbtheiten“ der Yahoos. Diese konnte ich auf so manchem Volksfest zu fortgeschrittener Stunde beobachten. Auch habe ich sehr gebildete, kultivierte Menschen kennengelernt, die, wenn sie nur etwas weniger eitel und stolz wären den Houyhnhnms sehr nahe kommen würden. Auch würde ich vermutlich berichten, dass sie in großem Wohlstand leben, die Monarchie durch eine Demokratie ersetzt haben. Trotzdem hat sich am Spiel der Mächtigen über die letzten beiden Jahrhunderte hinweg nicht allzu viel geändert.

Salzburg 20.16: Wohin geht Deine Reise jetzt?

Gulliver: Nach unserem „theatralischen Reisebericht“ in Leogang werden wir (meine neuen Freunde, Akrobaten, Musiker, SchauspielerInnen) unsere Geschichte noch im Salzburger Republic einem hoffentlich zahlreichen Publikum erzählen. Dann werden wir die vielen Fotos, die während der Reise entstanden sind sortieren und 2017 zu einer vorläufig abschließenden Ausstellung verarbeiten. Wohin mich die Reise dann führen wird, kann ich zur Zeit noch nicht sagen.

Salzburg 20.16: Vielen Dank Gulliver, für das nette Gespräch !

 

03.

OKT

Salzburg 20.16

Lesung: SALZburg von außen

Epische Landschaft, Répons und die Bau-Akademie in der Moosstraße

Von Christine Pitzke (Vortrag, gehalten am 28.9.16, Panorama-Bar der Salzburger Stadtbibliothek, anlässlich der Präsentation des SALZ-Heftes 165)

 

Es war voriges Jahr im August, zur Zeit der Salzburger Festspiele, ein Konzert im Rahmen dieser Festspiele, ich bin mit dem Bus ab Makartplatz zum Lehrbauhof (zur Bau-Akademie Salzburg) gefahren. Moosstraße, ich kannte diese Straße nicht, die schnurgerade auf den Untersberg zuläuft. Den Lehrbauhof kannte ich auch nicht, es gab dort ein Konzert von Pierre Boulez: einen Dialog, Wechselgesang zwischen Solisten und Chor: Répons, die Komposition hatte die Form des liturgischen Responsoriums wiederaufgenommen (so stand es im Begleitheft). Ich bin kein Musikwissenschaftler, und es ist nicht meine Aufgabe jetzt, die Rolle von Pierre Boulez in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts einzuordnen, er war Teil des Festspiel-Sommers. Und ich hatte an diesem Abend dann ein philologisches (also Text-)Verständnis, wie die Musiker im Raum angeordnet waren, wie sie sprachen und Antwort gaben.

 

Aber draußen, was war das für ein Weg dorthin. Die Stadt glühte, ich saß im klimatisierten Bus, und ich glaube, ich habe noch nie so viele Menschen an der Salzachpromenade und auf dem Fußgängersteg gesehen. Die Bushaltestation in der Moosstraße heißt „Lehrbauhof“: damit ist schon mal klar, wo man aussteigen muss. Ich war unpünktlich, nämlich zu früh, weil ich nicht genau hatte einschätzen können, wie lang das dauert, wenn man mit dem Zug ankommt, mit dem Bus durch die Stadt muss usw. Viele Salzburg-Besuche bisher waren einprägsam, warum erzähle ich von genau diesem Ausflug?

 

Da ist, am Ende der Moosstraße, das Orts-Ende-Schild von Salzburg, und gleich daneben beginnt ein Fußweg den Untersberg hinauf. Der Anlass für die heutige Veranstaltung ist (immer noch) ein zeitliches Jubiläum, und oft gibt es Orte, an denen zeitliche Schichten übereinandergelagert, spürbar, erfahrbar und erklärbar sind. Aber dort in der Moosstraße, an der Flanke des Untersberg, lagen an dem Abend (und liegen also in meiner Erinnerung) die Schichten räumlich nebeneinander, und zwar stark verdichtet nebeneinander. Da war die pochende Stadt, da war die kühle Landschaft und Vegetation, der dunkle Stein, drüben die kalkweiße Burg, die Start- und Landebahnen des Flughafens, die Autobahn, und ganz in der Nähe die Autobahnbrücke, wie eine kleine Nahtstelle zwischen Salzburg innen und Salzburg außen.

 

Die Bau-Akademie, was für ein Ort. Man geht da drinnen einen Flur entlang und kann wie durch Schaufenster die einzelnen Gewerke besichtigen, Fahrzeuge, Maschinen und vor allem: Fähigkeiten, durch die man mit den Dingen da draußen in ein Verhältnis kommt, also mit Stein, Sand, Wasser, Lehm, Kies, Metall, Teer, Holz, (Grünholz, Buschwerk indirekt), auch mit Energieversorgung: Werkzeuge, durch die diese Dinge auch erfahrbar und gestaltbar werden. Auch das ist eine Form von Dialog.

 

Wechselgesang, Répons. Für mich hat das Erlebnis Bau-Akademie zu all dem, was draußen an dieser Stelle verdichtet wahrnehmbar ist, nochmals eine Facette hinzugefügt, nämlich: Wie man mit der eigenen Zeit und ihren Signaturen, mit der Vergangenheit und deren Signaturen, und vor allem mit dem, was zu tun ist, in einen Bezug kommt, mit dieser Zukunft, die sich ja zunächst nur in Fragmenten, Ideen, Partikeln, Spuren, Staub und Trümmern andeutet. Übrigens lagen dort auch Schutzhelme bei den einzelnen Gewerken, das darf man nicht verschweigen.

 

Also, ich hatte eine Stunde Zeit und konnte mich da draußen in der Moosstraße, Hausnummer 197, umsehen und umhören. Salzburg von außen. Was ist diese Gegend hier für mich, sie ist auch eine epische Landschaft. Was meine ich damit, ich meine den Wechsel von Zustand und Bewegung, von Beschreibung und Fortgang, von Denken und Sprechen, Innen und Außen, von Wachsen und Reifwerden, Monolog und Dialog, Wiederholung und Variation. Und genau das: diese Epik war an diesem Abend erfahrbar, und zwar schon vor der Hauptvorstellung. Von außen und von innen.

 

Mein Eindruck war: es hat an diesem Abend dreimal Antwort gegeben, erstens in der Musik, zweitens in der epischen Landschaft und drittens in den Fenstern des Lehrbauhofs. Wo die Solisten sind und wo der Chor, außen oder innen, oder beides, man muss oft nach Salzburg fahren.

 

30.

SEPT

Salzburg 20.16

Grenz-Erfahrungen mit Erzabt Korbinian Birnbacher

Im Jubiläumsjahr liegt es zum Feiertag des Landespatrons Rupert nahe, den Rupertiwinkel in Augenschein zu nehmen. Wer wäre dafür besser geeignet als Korbinian Birnbacher, Erzabt des Stiftes St. Peter, der in Anger aufgewachsen ist?

 

Es scheint so, als hätte die Erzabtei St. Peter doch eine besondere Beziehung zu seinem Namensgeber Petrus: Rechtzeitig zum Ausflug in den Rupertiwinkel präsentiert sich das Wetter nach einigen regnerischen Tagen wieder von seiner besten Seite. Erzabt Korbinian Birnbacher kommentiert das Glück der gut 30-köpfigen Gruppe bei seinem Eintreffen im unvergleichlichen Hof launig: „Irgendjemand von euch muss brav gewesen sein, ich war’s nämlich nicht.“

 

Das Stift bietet sich als Ausgangspunkt an, liegen hier in der Ordenskirche doch die Gebeine des Heiligen Rupert – oder zumindest das, was dafür gehalten wird, denn viele Fakten rund um den Landespatron sind nicht gesichert: „Was wir über ihn wissen, wurde erst viele Jahre später niedergeschrieben. Wir betreiben die Forschung mit kritischer Distanz, denn schon damals war Geschichtsschreibung vor allem auch Politik“, sagt Birnbacher.

 

Gesichert ist aber, dass die Gebeine Ruperts am 24. September 774 nach Salzburg überführt wurden, denn vor seinem Tod kehrte er wahrscheinlich in seine Heimatstadt Worms zurück. Deswegen feiern Stadt und Land Salzburg an diesem Tag ihren Patron, der ihnen mit Hilfe des Salzes zu ungekanntem Wohlstand verhalf. Schon hier zu Beginn der Tour erweist sich Erzabt Korbinian als talentierter Reiseführer: Sein detailliertes Wissen um die Geschichte verbindet er gekonnt mit einer kurzweiligen Erzählweise.

 

Auch Orden brauchen ein Betriebssystem

Mit dem Bus – der Fahrer heißt zufällig Rupert – geht es zur nächsten Station, nach Piding.  Der Erzabt hat dieses Ziel nicht zufällig gewählt, der heutige Barockbau ist eine der ältesten Seelsorgekirchen in der Region und steht an einem Platz, an dem schon Rupert um 700 eine Kirche errichtet hatte. Bis 1818 sorgten die Augustiner-Chorherren aus der späteren Tour-Station Höglwörth für die Seelsorge in Piding. Neben den Besonderheiten der Kirche erfahren die Teilnehmer viele Details über die Ordensregeln und die Unterschiede der „Betriebssysteme“ Augustiner- bzw. Benediktiner- Regel.

 

Auf dem Weg nach Anger kommt die Frage aus der Gruppe, wann denn Rupert genau heiliggesprochen worden sei. Birnbacher darauf: „Das hat damals das Volk gemacht, er wurde als Heiliger verehrt und war damit auch heilig, das ist mit dem komplexen Prozess der Heiligsprechung von heute nicht mehr vergleichbar.“ Schon taucht die stolze Pfarrkirche von Anger auf. Für Erzabt Korbinian ist sein Heimatort „gelobtes Land, während die meisten hier nur auf der Autobahn vorbeirauschen“, wie er sagt. Das Dorf hat übrigens heute den prachtvollen und namensgebenden Anger nur noch, weil ein Onkel des Erzabts ihn in dessen Zeit als Bürgermeister vor dem Verbau geschützt hat.

 

Wie sich Heilige mitteilen

In der Pfarrkirche läuft der Erzabt zur Höchstform auf, er kennt jedes Detail, spart aber auch nicht mit Kritik an zahlreichen Umbaumaßnahmen, die vor allem im 19. Jahrhundert viele Originale kosteten. Zwei Heiligenfiguren zieren den Raum: Korbinian – der erste Bischof von Freising – und Rupert. Ersterer steht für die Zugehörigkeit zu Bayern, der Zweite für die lange Verbindung zu Salzburg. Erzabt Korbinian Birnbacher bringt die Gruppe mit einem bemerkenswerten Detail zum Schmunzeln: „Heilige haben eigene Methoden, sich mitzuteilen. Nur eine der beiden Figuren ist wurmstichig – ratet welche!“ Es ist natürlich Korbinian.

 

Bei der Abfahrt aus Anger schildert Birnbacher auch noch die seiner Meinung zutreffendste Erklärung, warum Ludwig I. Anger als „das schönste Dorf in meinem Königreich“ bezeichnet hat.  Der Legende nach reiste er seiner Geliebten hinterher, die aus München verbannt worden war. Und just in Anger bot sich ihm die letzte Gelegenheit, seine Lola Montez ein letztes Mal zu treffen. Nach anderer Überlieferung gefielen ihm die Linden am Dorfplatz.

 

Dankt‘s Gott, dass ihr 200 Jahre später geboren seid

Es geht weiter nach Höglwörth, zum malerisch gelegenen Stift am gleichnamigen See. Wie schon an den vorherigen Stationen begeistert Korbinian Birnbacher die Gruppe mit seinem umfangreichen Wissen, das er so kurzweilig präsentiert, als hätte er in seinem Leben nichts anderes gemacht als Reiseführer zu sein. Da das Stift heute einer Brauereidynastie gehört, kommt er etwa auf die Säkularisation kurz nach 1800 und deren Folgen zu sprechen, die bis heute nachwirken. Kurz danach widmet er sich den Predigten von damals, die mindestens 45 Minuten in Anspruch nahmen: „Dankt’s Gott, dass ihr 200 Jahre später geboren seid“, merkt er dazu launig an. Damals war die Kirche eben der einzige Ort, an dem man zu Neuigkeiten kam.

 

Beim Mittagessen im Gastgarten des Klosterwirts erzählt Birnbacher von seiner Schulzeit. In Traunstein seien die Kinder aus dem Rupertiwinkel gerne als „Ösels“ verspottet worden: „Das liegt natürlich an dem eigenen Dialekt, der auch nach 200 Jahren noch viel von Salzburg in sich trägt.“ Viele der hier gebräuchlichen Worte versteht man bis heute im fernen Abtenau eher als im nahen Traunstein. Der Erzabt kommt auch auf den Ruf von St. Peter zu sprechen, dem er erstmals als Jugendlicher nach Salzburg gefolgt ist: „Ich war so begeistert von der Ausstellung anlässlich 1.400 Jahre St. Peter, dass meine Eltern dachten, ich hätte eine Freundin in Salzburg, weil ich so oft mit dem Fahrrad drüben war.“

 

Will der Papst Mozart heiligsprechen?

Die Gruppe lernt von ihm auch das wohl schnellste Tischgebet: „Lieber Gott, segne flott. Amen.“  Anscheinend ist der Erzabt vom vielen Erzählen hungrig geworden und der Schweinsbraten schaut auch wirklich verlockend aus. Seine Tischnachbarn wollen von ihm auch mehr von seinen Treffen mit dem Papst erfahren, ob der denn wirklich so außergewöhnlich und witzig sei, wie er in den Medien präsentiert wird? Es scheint so, denn bei der letzten Begegnung habe ihn Franziskus mit folgenden Worten begrüßt: „Wir müssen Mozart endlich heiligsprechen!“ Und auch sonst stimme es, dass mit Franziskus vieles in Bewegung komme, was Korbinian Birnbacher ausdrücklich gutheißt.

 

Auf der Fahrt zur letzten Station zeigt sich, dass die Teilnehmer mehr als nur begeistert sind: „Der Mann ist ein wandelndes Lexikon. Ich finde es sensationell, dass sich der Erzabt die Zeit nimmt, uns persönlich zu diesen wunderbaren Orten zu führen“, schwärmt eine Dame etwa. Auf dem Johannishögl angekommen, bietet sich der Gruppe ein Panorama der Sonderklasse. Die Blicke schweifen von der Stadt Salzburg bis hinein ins Gebirge, sogar der Dachstein ist aus dieser Richtung gut zu sehen. Mancher kannte diesen Blick noch gar nicht, obwohl er nur wenige Minuten von der Heimat entfernt ist. Der Erzabt meint dazu: „Viel Schönes sieht man nicht, weil man zu nahe dran ist.“ Eine Teilnehmerin ergänzt treffend: „Ja, oder weil man zu schnell dran vorbeirauscht.“

20.09.

Salzburg 20.16

Zehn Autorinnen und Autoren beleuchten in der Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums das wechselvolle Verhältnis zwischen Salzburg und Wien. Der vergangenen 1500 Jahre. Zwei Brennpunkte stehen im Fokus: Salzburg im Mittelalter mit seiner religiösen Strahlkraft als zentraler Ausgangspunkt der Mission in Richtung Donauraum und Südeuropa. Wien nach 1816 als die Metropole, die Salzburg zur Provinz werden lässt.

Bonus-Texte
Zusätzlich zu den Buchtexten hat auch Journalist Roland Androwitzer seine Salzburg-Wien Geschichte erzählt:

 

Ein Provinzler in Wien

von Roland Adrowitzer

 

Mai 1974. 17 Jahre alt sind wir, 25 Schüler des II. Bundesgymnasiums an der Lehener Brücke. Wien - Woche! Für mich das erste Mal, dass ich in die Bundeshauptstadt reise. Und ich bin - wie viele meiner Mitschüler - entsetzt. Uns kommt die Stadt grau, langweilig und alt vor. Ja, das Burgtheater, das Parlament und der erste Heurigenbesuch sind ganz nett, aber diese Stadt! Überall alte Frauen und Hunde, am aufregendsten erscheint uns noch die aufgerissene Kärntner Straße, unter der gerade die erste U - Bahn Wiens gebaut wird.

Februar 1979. Ich bin seit 3 Monaten Jungspund im ORF - Landesstudio Salzburg und auf meinem ersten Seminar in Wien. Mit 5 Jahren Abstand kommt mit die Stadt schon total verändert vor, mit einer lebendigen Lokalszene und interessanten jungen - vor allem weiblichen - Menschen.

Oktober 1983. Ich folge dem Ruf von Radio - Chefredakteur Rudolf Nagiller und übersiedle ins Funkhaus nach Wien. Und ich bin von allem begeistert. Von der großen weiten Welt, die sich mir in dieser Redaktion mit vielen Stars auftut (z.B. Johannes Fischer und Roland Machatschke). Von der Stadt, von den Grätzeln der bunten Vögel Jörg Mauthe und Erhard Busek. Und vom herzlichen Empfang, der mir überall entgegengebracht wird. Kein böses Wort über "Provinzler" oder "Gscherte", eher Unverständnis, das schöne Salzburg verlassen zu haben. Nur wenn es mit der geliebten Salzburger Austria nach Hütteldorf oder ins Horr - Stadion geht, ist Blut dicker als Wasser.

32 Jahre später, nach 12 Jahren im Ausland und 2 Jahren in Tirol, lebe ich vor den Toren Wiens, in Perchtoldsdorf. Obwohl uns nur eine Straße trennt, wollen die Petersdorfer auf keinen Fall Wiener sein. Meine in Ried im Innkreis geborenen, in Deutschland, Wien und Tirol aufgewachsenen Kinder fragen mich: "Papa, was sind wir eigentlich?". Die Antwort ist für sie schwerer als für mich. Ich bin und bleibe im Herzen Salzburger, auch wenn ich für die roten Bullen nicht mehr so viel Herzblut aufbringen kann wie seinerzeit für Wolfgang Feiersinger und Heimo Pfeifenberger. Ich genieße die Weltstadt Wien, vor deren Toren ich lebe, und bin dankbar für die freundliche Aufnahme. Ich wünsche jedem Wiener, der nach Salzburg kommt, ähnliche Offenheit. Trotzdem klingt es seltsam, wenn mein Sohn sagt, er geht z'Haus und nicht ham.

 

13.09.

Salzburg 20.16

Schubert in Gastein
1816 komponiert - 2016 inszeniert

Als Dortmunder Ruhrpottkind kannte der Schauspieler und Opernregisseur Lutz Hochstraate in seiner Jugend drei österreichische Orte: Wien, Salzburg und Gastein. Letzteren aus den Klatschspalten der Ruhrnachrichten. Immer wieder las man davon, dass alles was Rang, Namen und Geld hatte, es sich gerne in Gastein gut gehen ließ. Jenem Kurort, der auch schon 1825 den österreichischen Komponisten Franz Schubert mit seiner wundervollen Landschaft, den Bergen und Wasserfällen in den Bann zog und ihn zu seiner produktivsten Schaffensphase inspirierte.

Die beiden treffen sich. Nämlich 2009, als der inzwischen langjährige Intendant des Salzburger Landestheaters Lutz Hochstraate die Geschäftsführung der Camerata Salzburg übernimmt. Dort trifft er eben genau auf das Kammermusikorchester, dessen Kernkompetenz neben der Musik von Mozart, vor allen Dingen auch bei Schuberts Werken liegt.

„Schon 2004, zum Ende meiner Intendanz, hatte ich den Gasteinern ein Operettenfestival angeboten“, erinnert sich Hochstraate im Gespräch mit Salzburg 20.16. „Es sollten Operetten und kleine Opern der Belle Epoque werden, die sich perfekt in das Ambiente von Gastein eingefügt hätten. Leider kam es nicht dazu.“ Doch die vielen wunderbare Spielorte, wie beispielsweise das heute leider baufällige Art Deco Theater, riefen immer wieder nach dem Regisseur, dessen Leidenschaft für den Komponisten Schubert stetig wuchs. Und so wurde 2013 das Festival „Schubert in Gastein“ aus der Taufe gehoben. Seither erinnert das Kammerorchester der Camerata jedes Jahr im Spätsommer an den mehrwöchigen Aufenthalt Schuberts im Jahre 1825.

Im Jubiläumsjahr 2016 rücken die 4. Und 5. Symphonie des Komponisten in den Mittelpunkt. Entstanden sind diese Werke vor genau 200 Jahren und haben bis heute nichts von ihrem Zauber verloren. Besondere Freude bereitet es Hochstraate, der 2009 auch zum Präsidenten der Camerata Academica des Mozarteum Salzburg ernannt wurde, die Tatsache, dass auch das kammermusikalische Werk von den Künstlern der Camerata gespielt wird. „Die meisten Camerata-Musiker haben solistische Qualitäten“, erklärt Hochstraate. Für ihn sei es das musikalisch Schönste, die hervorragende künstlerische Leistung an so wunderbaren Spielorten wie beispielsweise der Nikolaikirche zu hören. „Wenn ich „meine Musiker“ in den kleinen Räumen sehe und höre, wachsen meine Ohren wie bei einem Luchs“, schwärmt der Vater des Festivals.

„Leider ist Gastein wegen der nicht eingelösten Renovierungsversprechen des Wiener Immobilieninvestors Franz Duval inzwischen mit einer Vielzahl baufälliger Belle-Epoque-Gebäude geschlagen. Ich hoffe, dass wir mit hoher künstlerischer Qualität den guten Namen Gasteins erhalten und mit dem Festival vielleicht sogar einen kleinen Schritt in Richtung Sanierung und Belebung der einst so berühmten Hotels und Kulturstätten gehen können“, sagt Hochstraate und lobt die enge und engagierte Zusammenarbeit mit dem Kur- und Tourismusverband Bad Gastein und seiner Geschäftsführerin Doris Höhenwarter.

Das Festival Schubert in Gastein 2016 findet vom 15. – 18. September in den unterschiedlichen Spielstätten Gasteins statt. Zu hören sind neben dem Kammerorchester der Camerata unter anderem auch der Bachchor, Pianistin Ariane Haering und Schauspieler Karl Merkatz bei einer Lesung. Neben Schubert werden auch Werke von Mozart und Neukomm zu Gehör gebracht. Die Uraufführung des Psalm 103 von Cellist, Komponist und Programmdirektor Shane Woodborne, runden das Gesamtprogramm ab.

„Es gibt viele Festivals, die sich mit der Musik Schuberts auseinandersetzen. Sie alle haben sich durch ihre hohe künstlerische Qualität bewährt. Das muss ich mit aller Ehrfurcht sagen. Aber die Spielorte selbst haben nichts mit Schubert zu tun. Gastein ist ein von Schubert geschätzter und auch tatsächlich begangener Ort. Sowohl die Wiesen als auch die Almen und Stätte.“ Lutz Hochstraate

9.9.

Salzburg 20.16

Salzburg - Wien: Eine späte Liebe
Bonus-Text von Hannes Ametsreiter

Zehn Autorinnen und Autoren beleuchten in der Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums das wechselvolle Verhältnis zwischen Salzburg und Wien. Der vergangenen 1500 Jahre. Zwei Brennpunkte stehen im Fokus: Salzburg im Mittelalter mit seiner religiösen Strahlkraft als zentraler Ausgangspunkt der Mission in Richtung Donauraum und Südeuropa. Wien nach 1816 als die Metropole, die Salzburg zur Provinz werden lässt.

Bonus-Texte
Zusätzlich zu den Buchtexten hat auch Hannes Amtesreiter eine nicht einfache Frage gestellt:

Wien oder Salzburg - eine tatsächlich nicht einfache Frage!

von Hannes Amtesreiter

Ich weiß nicht, ob sich eine Legitimation daraus ergibt, die obige Frage zu beantworten - tatsächlich habe ich 26 herrliche Jahre in Salzburg und 22 wunderbare Jahre in Wien verbracht. In Wien davon meine gesamte berufliche Zeit, was meinen Eindruck natürlich beeinflusst.

These 1: In Wien der Erfolg - in Salzburg die Muße (nach dem Erfolg!)

Natürlich ist die Bundeshauptstadt der Mittelpunkt der österreichischen Wirtschaft und Politik - und folgerichtig die Möglichkeiten in Wien natürlich deutlich größer. Salzburg hingegen ist mit Ausnahme von einigen großartigen Unternehmens wie Red Bull, Spar und Porsche Holding mit kleineren Möglichkeiten ausgestattet. Den beruflichen Erfolg findet man daher häufiger in Wien.

Aber wo genießt man diesen Erfolg? In Salzburg! Im Sommer treffen sich die Erfolgreichen bei den Salzburger Festspielen, aber Einige der wirklich Erfolgreichen zogen von Wien nach Salzburg: Gerd  Bacher, Gerhard Zeiler - einige ersparten sich den Umweg aus Wien und kamen direkt aus Deutschland wie Franz Beckenbauer oder der ehemalige Lufthansa Chef Wolfgang Mayrhuber. Es lebt sich einfach gut in Salzburg! Und Wien ist gut für den beruflichen Erfolg!

These 2: Wien ist Indirekt - Salzburg direkt!

Es war für mich für lange Zeit unverständlich, dass man in Wien bevorzugt, Anderen etwas ausrichten zu lassen und nicht einfach jemand direkt und selber anzusprechen. Vermutlich hat man am "Hof" der kaiserlichen Stadt bevorzugt mit elegantem Antichambrieren und unter Einsatz aller Möglichkeiten, die aber immer über andere Personen oder über Diskussionen in den verschiedensten Salons geführt wurden, im eigenen Sinne zu beeinflussen. Salzburg hatte weder einen kaiserlichen Hof, noch sah man die Notwendigkeit, zu warten oder kompliziert zu interagieren. Wien braucht die Bassena, den Tratsch. Wien ist immer elegant aber nach der Meinung seiner Bewohner sind es immer Andere die etwas tun oder lassen sollen. In Salzburg ist man direkter, aber ein Vorarlberger hingegen wird auch die Kommunikation der Salzburger noch als kompliziert ansehen.

Es war ein Privileg, in beiden Städten gelebt zu haben - eine großartige Erfahrung. Eines aber verbindet Salzburg mit Wien: die A1. Nicht das Unternehmen, die Autobahn! Mit A1 verbindet mich eine tolle berufliche Vergangenheit, aber um vom beruflichen Alltag in Wien Abstand zu gewinnen und die Vorfreude auf die Schönheit Salzburgs zu genießen, waren die 3 Stunden Fahrt auf der A1 stets eine gute Distanz.

 

7.9.

Salzburg 20.16

Damen, Könige, Reiter und ein Hanswurst

Das Salzburger Jubiläums-Tarock von Grafiker Werner Hölzl ist ein illustrierter Streifzug durch die Geschichte und Volkskultur der Stadt und des Landes Salzburg. Mit Persönlichkeiten aus den Jahren 1816–49 als Könige, Damen, Buben und Reitern, Trumpfkarten voll bunter Lebenskraft der Salzburger Volkskultur und einem flotten Hanswurst als Sküs, der höchsten Karte.

Mindestens 20 Stunden muss ein Anfänger investieren, wenn er das Tarockspielen erlernen will. Doch um echte Spielreife zu erlangen, bedarf es vieler Praxisstunden. Die hat der Grafiker Werner Hölzl lieber in seine Kreativität und sein künstlerisches Können investiert und zum Jubiläumsjahr 2016 neue Tarockkarten designed.

54 Karten umfasst das Salzburger Jubiläums-Tarock, das er in 18 Wochen – sprich 1000 Arbeitsstunden gestaltet hat. Ein kleiner Bilderschatz zur Geschichte und Volkskultur, der nicht nur Tarockspieler begeistern dürfte. „Erst waren es einige Kartenbilder, mit dem Salzburger Hanswurst als Sküs, dem höchsten Trumpf, die ich dem Anstoßgeber und passionierten Tarockspieler Frank Nauhauser vorlegte“, erinnert sich Werner Hölzl. „Doch rasch sprang der Funke der Begeisterung auf mich über und ich machte mich an die Erstellung eines Konzepts und die Recherche zu sämtlichen vorgesehenen Motiven.“

Genauer Hinsehen lohnt sich

Schon immer reflektierten die Kartenbilder geschichtliche, politische, militärische und kulturelle Motive. Auch ein Quäntchen Humor darf nicht fehlen. Und so fallen dem aufmerksamen Betrachter bei Hölzls Karten hier und da kleine, feine Details in Auge, die zum Schmunzeln bringen.

Der Doppeladler des Herzkönigs und Gartenfreundes Kaiser Franz I. hält statt Schwert und Zepter einen Blumenstrauß in der Kralle. Karokönig Maximilian I Joseph von Bayern posiert mit Königswappen inklusive Maß Bier und Breze. Herzdame Constanze Mozart bekam Gesellschaft des Papagenos und Pikbube Johann Michael Sattler steht mit windzerzaustem Haar vor seinem Panorama, weil zahlreiche Studien zu seinem Megawerk auf Türmen der Festung Hohensalzburg entstanden sind.

Eine Reise durch das Land

Mit dem Salzburger Jubiläums-Tarock reiht sich Hölzl in die Riege der Salzburger Kartenmacher des 18. und 19. Jahrhunderts  Joseph Rauchmiller, Joseph Traunwieser und Ignatz Preisinger ein.

Die Originalkarten Preisingers von 1840 sind im Salzburg Museum ausgestellt. Sie zeigen reizvolle Bilder von Bauten und Landschaften aus Salzburg, Berchtesgaden und dem Salzkammergut. „Eben diese Karten haben mich inspiriert, neue Ansichten und Verduten zu zeichnen, wie die Landschaften in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wohl ausgesehen haben“, sagt der Jungkartenmacher. Auf seinen Farbkarten, den sogenannten Skatindeln, findet man Salzburg im Kleinformat. Versehen mit vielen kleinen Details nehmen die Karten den Betrachter mit auf eine Burgen- und Schlössertour durch das Bundesland. Sie geben den Blick frei auf das Flachgauer Seengebiet, Hallein und Radstadt und natürlich auf das Mozart-Denkmal.

Von der Wilden Jagd bis zum Ruperti Kirtag

Einen Grundkurs im Salzburger Brauchtum vermitteln die 22 Trumpfkarten. Pinzgauer Hundstoaranggler, Salzachschiffer beim Himmelbrotschutzen und der Salzburger Hochzeitslader zieren unter anderem diese Karten und erzählen über die verschiedenen Traditionen in Stadt und Land.

Tarock – das Lieblingskartenspiel in Österreich

Entstanden ist das Tarockspielen in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts im nördlichen Italien und zählt zu den wohl ältesten Kartenspielen der Welt. Auch Goethe, Mozart und Freud spielten Tarock. Noch heute gilt es als das Lieblingskartenspiel der Österreicher. Derzeit tarockieren rund 100.000 Österreicherinnen und Österreicher, hauptsächlich in Wien und Niederösterreich. Wer weiß, vielleicht kommen in unser Bundesland mit dem Salzburger Jubiläums-Tarock nun wieder neue Königsrufer, wie das Spiel auch genannt wird, hinzu.

 

Erhältlich ist es im Salzburger Heimatwerk, in den Museumsshops im Keltenmuseum Hallein, im Salzburg Museum und im DomQuartier, sowie in den Salzburger Buchhandlungen Rupertus, Motzko, Stierle, Höllrigl, Paracelsus, Pfeifenberger in Tamsweg, Haidenthaler in St. Johann im Pongau, Wirthmiller in Saalfelden, Ellmauer in Mittersill, Keltenbuchhandlung und LeseTräume in Hallein.

Und natürlich beim Macher der Karten – und da sogar mit Signatur!

 

Als Einstiegsliteratur in das komplexe Spiel können die Standardwerke von Wolfgang Mayer und Robert Sedlaczek „Die Strategie des Tarock-Spiels“ und „Die Kultur-Geschichte des Tarock-Spiels“ dienlich sein.  Auch im Internet findet man zumindest Grundzüge der Spielregeln.

1.9.

Salzburg 20.16

Salzburg - Wien: Eine späte Liebe - Bonus-Texte

Ein halbes Jubiläumsjahr ist bereits vergangenen und unter den zahlreichen Projekten, die im Zuge der 200jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich entstanden sind, gibt es auch Bücher und Publikationen, die über das Jahr 2016 hinaus für interessanten Lesestoff sorgen.

 

Salzburg – Wien: Eine späte Liebe

(Herausgeber: Karin Gföllner, Oskar Dohle, Franz Wieser - erhältlich im Webshop des Landes zum Preis von 14,90 Euro)

Zehn Autorinnen und Autoren beleuchten in der Schriftenreihe des Landes-Medienzentrums das wechselvolle Verhältnis zwischen Salzburg und Wien. Der vergangenen 1500 Jahre. Zwei Brennpunkte stehen im Fokus: Salzburg im Mittelalter mit seiner religiösen Strahlkraft als zentraler Ausgangspunkt der Mission in Richtung Donauraum und Südeuropa. Wien nach 1816 als die Metropole, die Salzburg zur Provinz werden lässt.

Lesestoff für all jene, die mehr über das widersprüchliche und vielschichtige Verhältnis der beiden österreichischen Städte und deren Bewohnern wissen wollen. Die Publikation ist kein wissenschaftliches Geschichtsbuch über die Salzburger Landesgeschichte, sondern zeigt vielmehr die einzelnen Beziehungs-Schlaglichter der beiden österreichischen Zentren auf. Das Buch erzählt die Geschichte von Menschen, ihren Erlebnissen und Leistungen, welche die Kultur eines Landes prägen und zeigt unterschiedliche Entwicklungen, Gegensätze und Gemeinsamkeiten auf.

Bonus-Texte
Zusätzlich zu den Buchtexten hat auch Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler über ihre ganz persönliche Wien-Salzburg Liebe und die Kulturellipse Österreichs erzählt:

Wien-Salzburg – eine späte Liebe

Von Helga Rabl-Stadler

Wien - Salzburg - eine späte Liebe, heißt das gestellte Thema. Da will ich sofort die in der Schule so gefürchtete Themenverfehlung begehen.

Bei mir war es eine frühe Liebe, obwohl mir deren Erfüllung gar nicht so leicht gemacht wurde.

In meiner Kindheit (Jahrgang 1948) lag uns Salzburgern München nicht bloß geographisch näher.

Ein einziges Mal fuhren wir Kinder vor Abschluss des Staatsvertrages mit den Eltern nach Wien. Die Machtdemonstration der sowjetischen Besatzer an der Ennsbrücke war furchteinflößend, das zerbombte Wien traurig.

Aber dann kam bereits das erste Wien-Erlebnis, das die Stadt für das kleine Salzburger Mädel zum Sehnsuchtsort werden ließ.

Dank Tante Hilde wurde ich im Stephansdom gefirmt und- was mich damals mindestens so beeindruckte- ging es danach zur Ausfahrt in weiß geschmückter Kutsche in den Prater. Gewohnt haben wir im Hotel Ambassador umgeben von Damast tapezierten Wänden – alles Prinzessinnenhaft!

Viele Wienfahrten folgten. Selbst die Klassenreise im verwahrlosten Quartier und mit unvergesslich schlechtem Essen aus der WÖK (Wiener öffentliche Küchen) konnte meine Liebe für diese Stadt nicht mehr mindern. Im Gegenteil, wunderbare Spaziergänge, beeindruckende Ausstellungen, großartige Theateraufführungen bestärkten mich in der Idee – da will ich hin nach der Matura, da will ich in einer der großen Zeitungen arbeiten.

Zuvor aber wollte und sollte ich noch ein „ordentliches“ Studium absolvieren. Ich wählte weniger aus Neigung sondern mit dem hauptsächlichen Motiv, nach Wien zu kommen, Jura.

Die Wiedererrichtung der Alma Mater Paridiana im Jahr 1962 empfand ich zwar für Salzburg als Glück, für mich persönlich zunächst jedoch als ziemliches Pech. Denn ich musste in Salzburg studieren.

Dass hier die Studienjahre viel ertragreicher waren als an der Wiener Massenuniversität, gebe ich jetzt gerne zu.

Im Winter 1971 war es dann endlich soweit. Ich durfte weg in meine Traumstadt Wien, in meinen Traumberuf Journalismus. Und ich machte dieselbe Erfahrung wie mein Vater viele Jahre vor mir, Österreicher kann man nirgendwo besser werden als in Wien. Selbst die österreichische Literatur Grillparzer, Nestroy, Schnitzler, Hofmannsthal, und Josef Roth, gelesen in Wien, entfaltet eine noch größere Wirkung.

Und dann die Kaffeehäuser. Die waren für mich eine Wohnung „mit all deren Vorteilen, ohne deren Nachteile“ (Hans Weigel). In Salzburg hatte ich nur Tee getrunken, in Wien schien mir der kleine Braune der passende Eintrittspreis, um Thomas Bernhard im Cafe Bräunerhof zu sehen, seltene Male sogar zu sprechen. Heute frequentiere ich in Salzburg das Bazar und das Tomaselli toujours und tour retour.

Auch das –Weintrinken habe ich erst in Wien gelernt. Das schönste war aus dem Pressehaus am Donaukanal noch bei Tageslicht zu einem ganz geheimen Rendezvous in die Weinberge abzutauchen.

Die Rückkehr nach Salzburg war nicht ganz freiwillig und fiel mir schwer.

Das beliebte Spiel, in Wien schimpft man gegen die Salzburger und in Salzburg fast noch mehr, aber sprachlich weniger gekonnt, gegen die Wiener, hat mir nie gefallen. Und Eifersucht auf Wien, wieso, wozu?

Salzburg und Wien sind die zwei Brennpunkte der Kulturellipse Österreich, um die uns die Welt beneidet.

Aber wie schrieb Hans Weigel, „Wenn du einmal Salzburg kennst, werden es andere Städte schwer haben mit dir.“

28.08.

Salzburg 20.16

Eine Zeitreise geht in den Endspurt

Sonderausstellung Mattsee und das Collegiatstift im Wandel der Zeit

Das Stift Mattsee bietet noch bis zum 28. August 2016 Besuchern die Gelegenheit, die Geschichte des bis heute ältesten Collegiatstifts Österreichs im Zeitraffer zu durchleben und lädt zu einer spannenden Reise durch 200 Jahre Geschichte ein.

Von der Zeit, als Mattsee noch zwei Kirchtürme hatte bis hin zur Eröffnung des Oldtimer Museums reicht die von Josef Sturm kuratierte Ausstellung.

Gehen oder Bleiben
Neben historischen Wegmarken erzählen auch Mattseerinnen und Mattseer mit Südtiroler Wurzeln ihre Zeitzeugengeschichten. Zwischen 1939 und 1943 stellten Deutschland und Italien deutschsprachige Südtirolerinnen und Südtiroler vor die Wahl. Sie konnten entweder als „Optant“ ihre Heimat verlassen und in das damalige Deutsche Reich der Nationalsozialisten übersiedeln oder im faschistischen Italien bleiben und als „Dableiber“ auf den Zusammenbruch des Mussolini-Regimes warten.

Bildung als Schlüssel
Mehrere Familien erreichten nach meist langer Odyssee 1940 die neue Heimat Mattsee. Einer der 20 schulpflichtigen Kinder war Sepp Munter. „Die Eingliederung für uns Kinder war herausfordernd“, erzählt der heute 87jährige. „Es ging uns ähnlich, wie den vielen Menschen, die heute aus fremden Ländern nach Österreich flüchten. “ Zwar hatten die Optanten-Kinder keine Sprachbarriere zu überwinden, mussten aber die Kurrentschrift erlernen, um am Bildungssystem teilzuhaben. Glücklicherweise gab es Anni Burgstaller, die sich als Lehrerin ausschließlich um die Kinder aus Südtirol kümmerte. Damals wie heute ist der Zugang zu Bildung der Schlüssel für gelungene Integration. Das beste Beispiel dafür ist der jetztige Mattseer Bürgermeister, dessen Familie ebenfalls von Meran über das Zillertal den Weg in den Flachgau gegangen war.

Auch nach dem offiziellen Ausstellungsende kann man noch bis 31.Dezember 2016 einen Termin für eine Besichtigung vereinbaren.
Kontakt: Josef Sturm
Tel.: 0664 20 27 134
E-Mail: museum@stifmattsee.at

28.08.

Salzburg 20.16

Recreation 2016 – ein Festival für Salzburgs verlorene Söhne und Töchter

Die Salzburger Bachgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Musiksommer zwischen Inn und Salzach

Der napoleonische Krieg, ein flüchtender Erzbischof, verlorene Eigenständigkeit und der Gebietsverlust des Rupertiwinkels machten Anfang des 18. Jahrhunderts die Residenzstadt Salzburg zu einer bedeutungslosen Provinz – durch die Auflösung der Salzburger Hofmusikkapelle im Jahr 1807 auch in kulturellen Belangen. Erst mit der Gründung des Dommusik-Vereins und des Mozarteums 1840/41 entwickelte sich das Salzburger Musikleben wieder neu. Dennoch waren die ehemaligen Schüler von Michael Haydn: Joseph Wölfl, Sigismund Ritter von Neukomm, Ignaz Assmayr, Anton Diabelli, Sebastian Oehlinger u.a. in der Zwischenzeit erstaunlich produktiv. Sie mussten jedoch Salzburg verlassen und ihre Karriere fand in Wien oder dem Ausland statt.

Die Salzburger Bachgesellschaft lässt nun in Zusammenarbeit mit der Kulturvereinigung Schloss Goldegg, dem „Diabellisommer Mattsee“, dem Stift Michaelbeuern, dem „Musiksommer zwischen Inn und Salzach“ dem Jugendstreichorchster „Capella cantabile“ aus Traunreut und der Universität Mozarteum die zu Unrecht vergessenen musikalischen Schätze dieser verlorenen Söhne und Töchter beim Festival „Recreation 2016“ erklingen.

Im September und Oktober des Jubiläumsjahres gibt es im Rahmen des Recreation 2016 Festivals zahlreiche Konzerte und ein Symposium.

18.07.

Salzburg 20.16

Flaschenpost in der Salzach und anderen Gewässern

Krimml und St. Georgen – je nach Sichtweise jeweils der erste oder der letzte Ort im Land Salzburg, sind durch die Salzach verbunden. Würde man eine Flaschenpost in Krimml aufgeben, käme sie unweigerlich ein paar Tagen später in St. Georgen an. Die Idee, diesen Postweg zu nutzen hatten Petra Lemberger, Reinhold Wieser und Josef Absmanner und schickten mit dem kulturellen Gemeinschaftsprojekt „Gemeinsam Stark“ eine symbolische Flaschenpost auf den Weg. Mit zwei Kulturveranstaltungen wurden so die beiden Gemeinden zueinander gebracht, die sonst nichts miteinander zu tun hatten. Dort, wo die Salzach ihre Wassermassen bezieht, nämlich am Krimmler Kees, ging die künstlerische Botschaft am 2. Juli mit dem Eröffnungskonzert der Krimmler Wasserfestspiele auf die Wasserreise und wurde vergangenen Sonntag beim Gegenbesuch in St. Georgen symbolisch aus dem Wasser gefischt. Bei den Festen am Start- und am Endpunkt spielten das Ensemble Paris Lodron Salzburg, das Theater Holzhausen und das Austria Festival Symphony Orchestra unter der Leitung von Reinhold Wieser das Werk von David Lehner“ Sound’s of Krimml“.

Wer flaschenpostet braucht Geduld
Ein Grund, sich einmal auf die Suche nach anderer Flaschenpost zu machen. In grauer Vorzeit, als Messenger, WhatsApp und sogar SMS noch in weiter Ferne lagen, trauten nicht nur Robinson Crusoe oder so manches verliebte Paar der Flasche ihre Sehnsuchts- und Hilfeschreie an. Auch für Schiffsbrüchige und Geheimdienste fungierte das Meer jahrhundertelang als Briefträger. Und vielleicht hat sich ja auch der eine oder die andere als Kind einmal im Bottle-Messaging versucht. Doch wer per Leergut kommunizieren will, braucht eine große Portion Glück und vor allem einen langen Atem.

Die Älteste ist Engländerin
Die älteste bekannte Flaschenpost war immerhin fast 108 Jahre und 138 Tage auf dem Postweg, bevor sie im August 2015 von einer Urlauberin am Strand der Nordseeinsel Amrum gefunden wurde. Der Meeresforscher George Parker Bidder hatte sie im November 1906 in die See geworfen. Er schloss aus den Fundorten seiner insgesamt 1020 Flaschen, dass die Strömung in der Tiefe der Nordsee von Ost nach West verläuft. Die Uralt-Post schaffte es nun wirklich nicht sehr zeitnah zurück zum Absender, aber doch auf jeden Fall ins Guiness-Buch der Rekorde.

Die Weiteste kam aus Amerika
Den weitesten Weg legte wohl ein Kunstwerk in einer Flasche zurück. Der Maler George Boorujy hatte die Zeichnung eines Kormorans in der Bucht von New York zu Wasser gelassen. Mit der Aktion wollte er auf den Schutz von Wildvögeln aufmerksam machen. Nach gut zweieinhalb Jahren wurde sie am Strand von La Tremblade (Frankreich) gefunden. Beim Strandspaziergang von Brigitte Barthelemy, die ebenfalls Malerin ist. Über die E-Mail-Adresse, die Boorujy wohlweislich auch in die Flasche steckte, setzte sie sich mit ihrem amerikanischen Kollegen in Verbindung.

Diese Geschichte ist einmal mehr Beweis dafür, dass kreative Wege Verbindungen schaffen und Grenzen überwinden können. Ganz getreu dem Credo des Gemeinschaftsprojektes und der kulturellen Flaschenpost entlang der Salzach.

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