03

Mai

Doraja Eberle
(c) dejan.petrovic

Doraja Eberle

"Im Gespräch" mit Michael Kerbler

20!6 ist ein hervorragender Anlass zehn Frauen in Salzburg zum Dialog zu bitten. Ob hier geboren, hier Erfolg erlebt, hier Spuren hinterlassen oder im kollektiven Gedächtnis Salzburgs eine Zäsur geschaffen: all diese Frauen sind mit Salzburg und Österreich verbunden.

Die Biographie, die Lebensphilosophie und die Kraftquellen, die den Veränderungswillen dieser Frauen gespeist haben, stehen im Mittelpunkt des Gesprächs.

Eine Reihe von Michael Kerbler, dem langjährigen ORF-Chefredakteur und Gestalter der Ö1-Sendereihe "Im Gespräch" und dem Salzburger Bildungswerk im Rahmen des Salzburger Jubiläumsjahres 2016. Im Rahmen dieser Reihe finden in allen Bezirken Veranstaltungen statt. 

Doraja Eberle ist in dieser Reihe, nach Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, die zweite dieser zehn Frauen.

Zupacken, wo Hilfe benötigt wird

„Salzburgs Mutter Teresa“: So wird Doraja Eberle aufgrund ihres unermüdlichen Engagements für Menschen in Not von manchen genannt. Die ehemalige Landesrätin (sie gehörte sechs Jahre der Landesregierung an) ist mit ihrer Organisation „Bauern helfen Bauern“ seit Jahren in Bosnien und Kroatien unterwegs. Die 62-jährige Vorstandspräsidentin von „Humanitäre Hilfe in Kroatien/Bosnien/Kosovo“ hat für ihre Arbeit 2003 den Peace Building Award – The Power of One in New York erhalten. Ein weiterer Preis hat die Salzburgerin noch mehr gefreut, „weil“, so Eberle, „mich die Witwen von Srebrenica vorgeschlagen hatten: von Frauen für eine Frau“.Seit die Flüchtlingskrise Österreich erreicht hat, ist es ihr ein Anliegen zuzupacken – in Zeltlagern, am Hauptbahnhof und in Containern.

Balance zwischen Herkunft und Arbeit finden

Die Tochter des Gutsbesitzers und ehemaligen Landesrates Friedrich Mayr-Melnhof unterstützt Schwächere Zeit ihres Lebens. Deshalb empfahl ihr ihre Mutter, Sozialarbeiterin zu werden. Gesagt – getan: Die Sozialakademie schloss sie 1976 in Wien ab. Nach vielen Auslandaufenthalten arbeitete die Salzburgerin zehn Jahre als Sozialarbeiterin für sozial schlecht privilegierte Jugendliche: Mädchen, die ständig an der Kippe zum Abgrund oder zur Kurve in ein selbstständiges Leben standen. Für Eberle war es schwierig, die Balance zwischen ihrer Herkunft und ihrer Arbeit zu finden. Eines Tages sagte eines „ihrer“ Mädchen: „Du musst authentisch bleiben – dann hätten wir viel mehr Chancen, mit deiner Hilfe eine Arbeit zu kriegen, weil du dann Werte wie Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Höflichkeit vermitteln würdest.“

Drang nach Freiheit

Immer wieder wurde Eberle gefragt, ob sie nicht in die Politik gehen wolle: „Irgendwann habe ich gedacht, warum nicht?“ Eberle war unter anderem für Familie, Kinder, Jugend, Senioren, Integration, Grundversorgung, Nationalpark Hohe Tauern, Volkskultur, Erhaltung des kulturellen Erbes und Gemeindeentwicklung zuständig. „Ich habe nur immer diesen Drang nach Freiheit gehabt. Ich möchte Frau bleiben und meine Werte von Familie und Erziehung hochhalten“, sagt Eberle.

Nach Doraja Eberle wird Michael Kerbler die ehemalige Skirennläuferin Petra Kronberger zum Dialog bitten. Zu den weiteren Interviewpartnerinnen zählen zum Beispiel Gerichtsmedizinerin Edith Tutsch-Bauer, Dirigentin Elisabeth Fuchs und Unternehmerin Trude Kaindl-Hönig.  

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