48 Kilometer Kurven, 36 Kehren
(c) Grohag

48 Kilometer Kurven, 36 Kehren

Die Großglockner Hochalpenstraße führt bis ins Herz der Hohen Tauern

Die berühmteste Straße der Alpen bringt ihre Passagiere direkt zum höchsten Berg Österreichs – 3798 Meter über dem Meeresspiegel liegt sein Gipfel. Die Anfahrt offeriert herrliche Gebirgseindrücke – ein mächtiges Panorama, Almwiesen, Bergwälder, Glitzergletscher. Schon Kelten und Römer kannten den Weg, seit fast zwei Jahrtausenden überqueren Menschen die Passhöhe, den Scheitelpunkt der Straße.

900.000 Besucher im Jahr erleben eine wundersame Entdeckungsreise vor unvergesslicher Kulisse.

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Im Herbst 1924 erhielt der Kärntner Straßentechniker Franz Wallack den Auftrag, zur Erschließung des Großglocknergebiets eine drei Meter breite Straße mit Option zur Verbreiterung zu planen. Weitere Vorgaben waren Ausweichmöglichkeit auf Sichtweite, Höchststeigung zwölf Prozent und die Schotterung. Wallack bereiste alle relevanten Alpenstraßen in Europa, um dann sein geniales Konzept einer sich perfekt in die Landschaft einfügenden Fahrbahn vorzulegen. Damit begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte.

Einer der Gründe, weshalb der damalige, vorausblickende Landeshauptmann Franz Rehrl sich vehement für den Bau der Großglockner Hochalpenstraße eingesetzt hatte, war die Vision der Errichtung eines Schizentrums in der Glockner-Gruppe. Dann aber nahm der wachsende Druck der Weltwirtschaftskrise allmählich überhand. Im Jahr 1929 beschloss der Salzburger Landtag einstimmig den Bau der Straße, Franz Rehrl appellierte im Sommer 1930 eindringlich an die Bundesregierung, unverzüglich mit dem Bau zu beginnen. Am 19. Februar 1931 wurde die Großglockner Hochalpenstraße AG firmiert. In nur fünf Jahren schwierigster Bauzeit war die (nach dem Schloss Schönbrunn) meistbesuchte Tourismus-Attraktion Österreichs, ein Baudenkmal der Ingenieurskunst, fertiggestellt. Nach dem Anstieg über 1500 Meter bis zur Franz-Josefs-Höhe durch verschiedene Vegetationszonen warten der majestätische Berg und der längste Gletscher der Ostalpen, die Pasterze, mitten im größten Naturschutzgebiet Mitteleuropas, dem Nationalpark Hohe Tauern.

Die „Glocknerbaraber“ – Schwielen, Sonnenbrand, Frostbeulen

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Ihnen ist ein eigenes kleines Museum im alten Wegmacherhaus an der Fuscher Lacke gewidmet – es erinnert an die legendäre Hardcore-Truppe der Straßenarbeiter. Ihren Anstrengungen und Entbehrungen verdanken die Gebirgs- und Naturverehrer von heute spektakuläre Ein- und Aussichten und die Region einen unvergleichlichen Anziehungspunkt und Tourismusmagneten. Arbeitslose aus dem ganzen Land waren Anfang der 1930er Jahre dem Lichtschein am Horizont ihrer düsteren Lage ohne Zögern gefolgt. 80 Prozent der Jobs hatte man ausdrücklich für vorgemerkte Männer, die durch die Zeitläufte ohne Beschäftigung waren, reserviert. Ihre einfachen Werkzeuge waren Krampen, Schaufel und Schubkarre, ihr Transportmittel das Pferdefuhrwerk.

Geschichte und Geschichten

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Eine Ausstellung am höchsten Punkt der Durchzugsstraße befasst sich mit historischen Pfaden, stellt das faszinierende Pass-Heiligtum der Antike am Hochtor vor und bietet eine Beschreibung der Handelsrouten vom Norden nach Venedig. Auch von der Suche nach Bergkristall und Gold wird hier erzählt – immerhin brachten vor knapp 500 Jahren 3500 Bergleute aus der Region fast zehn Prozent der weltweiten Goldausbeute zu Tage!

Im Gamsgrabentunnel darf man in die geheimnisumwobene Sagenwelt rund um die Entstehung der Pasterze eintauchen und die Blütenpracht in der Wunderwelt Glocknerwiesn mit ihren bis zu 140 Pflanzenarten, darunter viele Orchideen, begeistert nicht nur Botaniker ...

Auf 2300 Metern Höhe mag der Interessierte im Haus Alpine Naturschau in einer interaktiv didaktischen Ausstellung alles über komplexe ökologische Zusammenhänge und Überlebensstrategien der sensiblen alpinen Flora und Fauna erfahren. Ein botanischer Lehr-Weg sowie prächtige Kristall-Exponate ergänzen das informative Erlebnis.

Doch die Großglockner Hochalpenstraße kann immer noch mehr: Die sanften Anstiege erweisen sich als Paradies für Oldtimer-Chauffeure, die zahlreichen Hütten und Bergrestaurants versprechen und halten beste Labung mit Pracht-Blick für Wanderer, Radsportler und Motorradfans und Automobilisten.

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