23.07

bis

06.11

Anti : Modern
Lothar Rübelt: Der Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl (am Steuer) und der Erbauer der Großglockner Hochalpenstraße Franz Wallach in einem Steyr 100, 1934. Silbergelatineabzug. Fotosammlung des Bundes am Museum der Moderne Salzburg. Foto: Hubert Auer

Anti : Modern

Ist Salzburg tatsächlich anti-modern wie immer wieder behauptet wird?

Ausgehend von dieser vielleicht provokanten, aber weit verbreiteten These soll in dieser umfassenden und international besetzten Ausstellung ein differenziertes Bild der Moderne in (Zentral-)Europa gezeichnet werden. In diesem Projekt wird untersucht, inwieweit ein weltoffenes und der modernen Kunst aufgeschlossenes Denken in der westlichen Region Österreichs vorhanden war oder ob dieses durch die politische Propaganda in den 1930er-Jahren verschüttet wurde.

In der Ausstellung öffnen sich den BesucherInnen die Erscheinungsformen moderner Lebenswelten und die weitreichenden Konsequenzen eines Denkens und Handelns, das einem modernen Leben entgegengerichtet war, über verschiedene Themenbereiche. Das Bild der Stadt als Plattform für Modernität und Prozesse der Veränderung wurde geprägt durch internationale Metropolen wie New York, Paris, Berlin, Wien, London und Moskau. Infolge der Stadterweiterung und des Baus der Kaiserin-Elisabeth Bahn im 19. Jahrhundert war Salzburg inmitten von Europa zunehmend an das Geflecht der europäischen Großstädte angebunden.

Dies begünstigte Zusammenkünfte internationaler WissenschaftlerInnen wie der erste Kongress von Psychoanalytikern 1908 in Salzburg. Es führte auch zur Entstehung wissenschaftlich-familiärer Laboratorien im Salzkammergut wie jene der Familie Exner in Brunnwinkl am Wolfgangsee. Als herausragender Impulsgeber für Kunst, Literatur, Tanz und Musik im nationalen und im internationalen Kontext steht in der Regel die Gründung der Salzburger Festspiele. Es gibt aber auch noch weniger bekannte Beispiele wie die Internationale Gesellschaft für Neue Musik, oder die Elisabeth Duncan-Schule in den 1920er-Jahren. Die Bildung von Künstlergruppen und Bestrebungen engagierter Frauen und Künstlerinnen vor Ort zeigen fortschrittliches Denken und Demokratisierungsprozesse.

Doch auch die Äußerungen eines anderen Verständnisses von Moderne, konservative und traditionsbewusste Tendenzen und die Instrumentalisierung der Künste in den 1930er-Jahren sind in die Ausstellung eingegliedert. Auslöschung, Vertreibung, der Verlust wertvoller Kunstwerke und Gegenstände der Moderne werden dabei eine wichtige Rolle einnehmen; im Besonderen Formen des ästhetischen und politischen Exils am Beispiel von Künstlerbiografien sowie Exil als Bedingung der Menschheit. Daran anknüpfend stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten der Wiederaufnahme der Moderne nach 1945, der Umgang mit Architektur und die Spuren modernen Bauens in Salzburg, die in der Ausstellung aufgespürt und verzeichnet werden.

Folgen wir der Behauptung, dass man in Salzburg einen besonderen Nährboden für Tradition und konservative Lebenswelten vorfindet, so stellt sich die Frage, was in anderen Regionen, die diesem Bild nicht entsprechen, tatsächlich anders ist. Die Werke internationaler Gegenwartskünstler greifen die Themenfelder auf und sind den historischen Kunstwerken und Materialien zwischengeschaltet. Welcher Produktionsbedingungen bedarf die „Anti-Moderne“ und welcher bedarf es, um die Gesellschaft für neues, innovatives Denken, für moderne Lebensformen und fortschrittliche Kunst zu öffnen?

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